Mit PEFC 1.100 Kilometer durch Sachsen und Südpolen: Auf der Jagd nach forstlichem Wissen

Die PEFC-Exkursion 2026

Dresden bildete den Start- und Endpunkt der diesjährigen Exkursion von PEFC Deutschland e. V. Sie führte vom 16. bis 20. August 2026 durch Sachsen und Südpolen mit dem Fokus auf Wissensaustausch, praxisnahe Einblicke und grenzüberschreitende Lernprozesse im Bereich der PEFC-zertifizierten, nachhaltigen Forstwirtschaft. Die Reise verband Schutzgebietsmanagement im Nationalpark Sächsische Schweiz mit forstbotanischer Forschung, Rekultivierungspraxis im Braunkohlentagebau, genbankgestützter Arterhaltung sowie Einblicke in das polnische PEFC-System und die Umsetzung der PEFC-Standards vor Ort.

Die Exkursion verstand sich somit als Fortbildungsmaßnahme für 25 Mitglieder des Deutschen Forst-Zertifizierungsrates und der Regionalen PEFC-Arbeitsgruppen, Fachkräften aus Forstverwaltung, Wissenschaft, Zertifizierungsstellen sowie für PEFC-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter – mit dem Ziel, durch direkte Beobachtung, Expertenvorträge und den Austausch untereinander die eigene Arbeit an der Umsetzung der PEFC-Standards weiterzuentwickeln.

Die Route führte über die Sächsische Schweiz, den Hochschulstandort Tharandt und die Lausitz bis nach Südpolen. Dortige Stationen waren Karpacz, Miłków, Fürstenstein, Breslau und Jawor. Jede Etappe war darauf ausgerichtet, spezifische Aspekte der nachhaltigen Waldbewirtschaftung, des Naturschutzes und der PEFC-Implementierung zu beleuchten: von der Wildnispädagogik über die forstliche Genbank bis hin zur polnischen PEFC-Standardsetzung.

Wanderung über die Schrammsteine – forstliche Einblicke in den Nationalpark

Eine Wanderung über die Schrammsteine nach Bad Schandau stellte am ersten Tag einen gelungenen Einstieg dar: Der Weg führte durch ein Gebiet, in dem der Nationalpark Sächsische Schweiz zu rund 93 Prozent aus Wald- und Felsbereichen besteht und auf etwa der Hälfte dieser Flächen keine forstlichen Eingriffe mehr stattfinden. Die bewirtschafteten Flächen unterliegen als Bestandteil des sächsischen Staatswaldes dabei dem PEFC-zertifizierten Waldmanagement. Entlang der Route wurden die Teilnehmenden mit den Folgen des Borkenkäferbefalls konfrontiert, der die Stabilität der Fichtenbestände im gesamten Nationalpark erheblich geschwächt hat und damit auch die Verkehrssicherung auf Wanderwegen erschwert. Die vierstündige Wanderung vermittelte einzigartige landschaftliche Eindrücke, gepaart mit unterschiedlichsten forstfachlichen Aspekten.

Revier Hohnstein – Einführung in das Schutzgebietsmanagement

Die komplette Gruppe stieg am Montag mit der Busfahrt nach Hohnstein ins Programm ein, wo Daniel Thomann, Leiter des Fachbereichs Wald- und Flächenmanagement der Nationalpark- und Forstverwaltung Sächsische Schweiz, in die Besonderheiten des Reviers einführte. Das Revier Hohnstein liegt nordöstlich der Elbe im Elbsandsteingebirge und weist auf 2.100 Hektar eine beeindruckende Naturausstattung auf. Das romantische Polenztal ist eines der ältesten Naturschutzgebiete in Sachsen. Zwei Drittel des Waldes liegen innerhalb des Nationalparks und unterliegen damit einem strengen Schutzregime, während ein Drittel außerhalb des Schutzgebiets von etwa 500 privaten Waldbesitzern bewirtschaftet wird.

Praktische Einblicke in die Waldarbeit gestattete Revierleiter Frank Wagner. Im Fokus des Waldbegangs stand die Darstellung des dualen Managements: In der Kernzone des Nationalparks unterbleiben forstliche Eingriffe vollständig, während im Pflegebereich gezielte Maßnahmen wie Waldumbau, Voranbauten mit Laubbaumarten und die Förderung der Weißtanne zur Stabilisierung der Bestände beitragen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfuhren, dass das langfristige Ziel eines Anteils von 75 Prozent Prozessschutzfläche bereits heute erreicht sei. Als besondere Herausforderung nannte Wagner die zunehmenden Besucherzahlen im Nationalpark, die bereits bei drei Millionen Gästen lägen.

Frank Wagner (r. in Grün) ist seit 32 Jahren als Revierleiter in Hohnstein tätig. Von Beginn an hat er sich für die naturgemäße Waldbewirtschaftung eingesetzt. (Foto: © KOLLAXO Markt und Medien GmbH)

Tharandt – Wiege der modernen Forstwissenschaft

Am Nachmittag führte die Fahrt nach Tharandt zur Besichtigung des Hochschulstandorts und Führung durch den forstbotanischen Garten – eine Stätte von herausragender forstgeschichtlicher und forstwissenschaftlicher Bedeutung. Der 1811 von Johann Heinrich Cotta gegründete Forstbotanische Garten gilt als Geburtsstätte der modernen Forstwissenschaft und als eine der ältesten wissenschaftlichen Gehölzsammlungen der Welt. Heute ist er das sächsische Landesarboretum mit 34 Hektar Fläche. Dr. Ulrich Pietzarka, wissenschaftlicher Leiter und Kustos, begrüßte die PEFC-Gruppe im 2001 angelegten und ab 2003 bepflanzten Westteil, der mit 42 Waldformationen Strukturen natürlich gewachsener Wälder Nordamerikas nachbildet.

Über die enge Verzahnung des Gartens mit der Fakultät Umweltwissenschaften der TU Dresden informierte Exkursionsteilnehmer Prof. Dr. Andreas W. Bitter, Inhaber der Professur für Forsteinrichtung und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Forstökonomie und Forsteinrichtung an der TU Dresden, außerdem AGDW-Vorsitzender und stellvertretender PEFC-Vorsitzender. Darüber hinaus stellte er den Hochschulstandort Tharandt vor. 

PEFC-Vorsitzender Peter Gaffert dankt Dr. Ulrich Pietzarka, wissenschaftlicher Leiter und Kustos, für die Führung durch den Forstbotanischen Garten in Tharandt. Anschließend führte Prof. Dr. Andreas W. Bitter die Gruppe an die alte Wirkungsstätte von Johann Heinrich Cotta. (Fotos: © KOLLAXO Markt und Medien GmbH).

Tagebau Nochten – Forstliche Rekultivierung im Braunkohlenrevier

Am Dienstag stand die Fahrt zum Tagebau Nochten auf dem Programm, wo die Exkursionsteilnehmer Einblicke in den Braunkohleabbau und die Rekultivierungspraxis der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) erhielten. Die forstliche Rekultivierung hat hier einen zentralen Stellenwert: Rund 60 Prozent der Rückgabeflächen im Lausitzer Revier werden wieder aufgeforstet, wobei Kiefer, Birke, Eiche, Buche und Aspe die dominierenden Baumarten darstellen.

Einblicke in den Braunkohleabbau und die Rekultivierungspraxis der Lausitz Energie Bergbau AG. (Foto: © KOLLAXO Markt und Medien GmbH).

Dipl.-Forstwirt Michael Rösler, der einst bei PEFC Deutschland in Stuttgart arbeitete und heute bei der LEAG die Rekultivierung verantwortet, erläuterte, wie die Wiederaufforstung nicht nur der landschaftlichen Wiederherstellung dienen, sondern wichtige ökologische Funktionen zurückbringen kann – etwa Erosionsschutz, Grundwasserregulierung und die Schaffung neuer Lebensräume. Für Forstleute war insbesondere die Darstellung der standortgerechten Baumartenwahl, der Bodenvorbereitung (Kalkmelioration, Grunddüngung) und der langfristigen Bewirtschaftungsziele von Interesse, die auf ökologische Stabilität und Multifunktionalität der neu entstehenden Wälder abzielen. 

Dipl.-Forstwirt Michael Rösler erläutert ein Bodenprofil in einem 2013 bepflanzten Areal.

Von Herrnhut nach Karpacz – Wald, Tradition und Grenzübergang

Der Dienstagnachmittag führte die Gruppe zunächst nach Herrnhut in der Oberlausitz, wo Forstleiter Matthias Clemens Einblicke in die Bewirtschaftung des PEFC-zertifizierten Forstes der Evangelischen Brüderunität gab, der sich seit 250 Jahren im Besitz der Freikirche befindet. Während Herrnhut 1722 mit Weißtannen-Bauholz begründet wurde, dominieren heute alte Eichen und Hainbuchen die rund 700 Hektar Wald, die Bruder Matthias betreut – mit Schwerpunkt auf naturnahem Waldbau, Wertholzproduktion und der Integration von Bildungs- und Freizeitangeboten. Abschließend besichtigte die Gruppe die moderne Manufaktur der Herrnhuter Sterne, deren Tradition auf das frühe 19. Jahrhundert zurückgeht und die bereits seit 1897 in Serie gefertigt werden. Anschließend führte die Fahrt nach Karpacz (Polen), einem belebten Kur- und Wintersportort im Riesengebirge (Karkonosze) in Niederschlesien, der als Ausgangspunkt für Wanderungen in die sudetischen Bergwälder dient.

Forstleiter Matthias Clemens (r.o.) gewährt historische und forstfachliche Einblicke in die Bewirtschaftung des PEFC-zertifizierten Waldes der Evangelischen Brüderunität in Herrnhut. Unten: Die Exkursionsgruppe sowie forstliche Mitarbeitende der der Evangelischen Brüderunität am Aussichtspunkt im Herrnhuter Wald. (Foto: © KOLLAXO Markt und Medien GmbH).

Futuristische Genbank und historisches Schloss Fürstenstein

Der Mittwoch war nicht minder interessant für die PEFC-Exkursionsgruppe: Morgens stellte Dr. Krzysztof Jodłowski, Geschäftsführer von PEFC Polen, das nationale Zertifizierungssystem vor und beleuchtete dabei die aktuellen Herausforderungen. Beispielsweise ging er auf die Umsetzung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) sowie die Integration von Biodiversitätszielen in die Zertifizierungspraxis ein. 

Vormittags folgte der Besuch der forstlichen Genbank Kostrzyca in Miłków (Leśny Bank Genów Kostrzyca), der einzigen Einrichtung dieser Art in Polen, deren Hauptaufgabe die Erhaltung der genetischen Vielfalt wertvollster Baum- und Straucharten durch Sammlung, Lagerung und Testung von Saatgut ist. Bislang gewann das Wissenschaftsteam unter Leitung von Direktor Dr. inż. Czesław Kozioł bereits 36.145 kg Samen. Sie bilden ein Fundament zur sicheren Versorgung der Forstwirtschaft mit gesundem DNA-Material. 

Das Saatgut von 83 Baumarten ist nur ein Teil der Probensammlung der forstlichen Genbank Kostrzyca, die auch Zellgut von Pflanzen und Tieren wie z. B. dem Birkhuhn sichert. (Fotos: © KOLLAXO Markt und Medien GmbH).

Nachmittags stand die Besichtigung von Schloss Fürstenstein (Zamek Książ) auf dem Programm, dem größten Schloss Schlesiens, das seit dem 13. Jahrhundert als Grenzfeste und später als prunkvoller Adelssitz diente. Die Grafen und späteren Fürsten von Hochberg, die das Schloss über 400 Jahre besaßen, waren bedeutende Großgrundbesitzer mit umfangreichen Waldflächen und engagierten sich intensiv in der Forstwirtschaft und Jagd – Hans Heinrich XI. von Hochberg etwa war Königlich Preußischer Oberstjägermeister und förderte die Jagdkultur sowie die Wisentzucht. Abschließend führte die Busfahrt nach Wroclaw (Breslau), wo die Gruppe bei einer nächtlichen Stadtbesichtigung Sehenswürdigkeiten wie den Marktplatz, die Domstraße und die gotischen Kirchen kennenlernte. 

Forstbezirk Jawor – Abschluss im sudetischen Vorland

Den Schlussakkord der Exkursion von PEFC Deutschland bildete am 20. August 2026 der Besuch des Forstbezirks Jawor, der sich durch seine außergewöhnliche standörtliche Vielfalt auszeichnet: Auf nur 14.800 Hektar erstrecken sich die Wälder von der schlesischen Tiefebene über das sudetische Vorland bis in die Mittelgebirgslage der Kaczawa-Berge, was zu einer breiten Palette an Waldtypen führt – von tiefländischen Eichenbeständen über höher gelegene Mischwälder bis hin zu montanen Fichten- und Buchenbeständen. Besonders eindrucksvoll sind die hohen Holzvorräte von durchschnittlich 298,7 Kubikmetern pro Hektar bei einem Durchschnittsalter von 84 Jahren.

Impressionen aus dem Forstbezirk Jawor.

Ausblick und Einordnung

Die Exkursion nach Sachsen und Südpolen reihte sich in eine Folge von Fachreisen ein, die PEFC Deutschland für seine Mitglieder, Zertifizierungspartner und Stakeholder organisiert. Nach Österreich und Schweiz im Jahr 2013 folgten in den vergangenen Jahren weitere Destinationen, darunter beispielsweise Rumänien, Frankreich und im vergangenen Jahr der Schwarzwald mit Weiterreise in die Schweiz bis nach Genf zur Geschäftsstelle von PEFC International.
Die Exkursionen verfolgen durchgängig das Ziel, praxisnahe Einblicke in unterschiedliche forstpolitische Rahmenbedingungen, Zertifizierungsansätze und Waldbewirtschaftungsformen zu vermitteln und den fachlichen Austausch über Ländergrenzen hinweg zu stärken. Organisiert werden die Lernreisen von PEFC-Geschäftsführer Dipl.-Forstwirt Dirk Teegelbekkers.

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Dirk Teegelbekkers
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Geschäftsführer