Neues PEFC-Zertifikat für die Region Sachsen
Feierliche Übergabe des neuen Regionalzertifikats im Wald der evangelischen Brüderunität Herrnhut
Johannes Ott, Vorsitzender der Regionalen PEFC-Arbeitsgruppe Sachsen (l.). mit dem von Auditor Lutz Lehmann (DIN CERTCO, 2v.l.) überreichten neuen PEFC-Regionenzertifikat sowie Thomas Rother (Abteilungsleiter Staatsbetrieb Sachsenforst, m.), Matthias Clemens (Forstbetrieb der ev. Brüderunität Herrnhut, 2.v.r.) und Andreas Petzel (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben BImA) mit der neuen PEFC-Urkunde.
Bei bestem Exkursionswetter begrüßte der Vorsitzende der Regionalen PEFC-Arbeitsgruppe (RAG) Sachsen, Johanes Ott, die etwa 20 Gäste zur feierlichen Übergabe des neuen Regionalzertifikats im Wald der evangelischen Brüderunität Herrnhut. In seiner Eröffnung betonte Ott mit Blick auf das historische Datum zum Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953, glücklich sein zu können, an diesem Tag in Freiheit zusammenkommen zu können und sich letztlich auch aus freien Stücken für Eigentum und seine Bewirtschaftung entscheiden zu dürfen. Dazu zählt auch die freie Entscheidung zur Teilnahme an einem Zertifizierungssystem wie PEFC.
Mit dem Blick in die Geschichte, der für das Verständnis des heutigen Handelns so wichtig ist, übergab der Vorsitzende an Matthias Clemens, dem zuständigen Förster und Bewirtschafter des historisch wie aktuell spannenden Forstbetriebs.
Die Exkursionsstrecke lief durch einen 180 jährigen gemischten Laubholzbestand aus eindrucksvollen alten Buchen, Eichen, Ahorn und weiteren 20 Arten. Am Wegesrand blieb Förster Clemens an einer oberschenkeldicken Hainbuche stehen, um die Gäste zur Einschätzung deren Alter zu befragen. Dass auch dieser Baum über 150 Jahre alt ist, hätte keiner der Forstleute erraten, lässt sich aber durch den vor 105 Jahren angelegten und noch heute sichtbaren Leimring bestätigen. Die Feinringigkeit des zeitlebens im Unterstand gewachsenen Baumes vermag man sich kaum vorzustellen.

Die Wanderung führte zu dem weiteren Highlight, dem Gedenkstein zur Erinnerung an den ersten gefällten Baum zu Errichtung der Anlage Herrnhut an eben einem 17. Juni im Jahr 1722. Heute in einem eindrucksvollen 180-jährigen Buchenbestand stehend, fällt es schwer, sich vorzustellen, dass eben dieser erste Baum ein seinerzeit ebenfalls alter und starker Baum, allerdings eine Fichte oder Tanne in einem Nadelwald gewesen war. An so einem Ort wird der Grundgedanke der nachhaltigen Waldbewirtschaftung besonders eindrücklich erlebbar.
Die Villa Glitsch lag am Weg, die der in Wolgograd durch die Produktion von Senf zu einigem Wohlstand gekommene Missionar bauen ließ und die heute einen Kindergarten beherbergt. Der Bau der bereits geplanten Hackschnitzelanlage zur Fernwärme wurde im letzten Moment abgesagt, weil möglicherweise die Lärmemissionen in der spärlich vorhandenen Nachbarschaft hätten beklagt werden können. Ein Verlust für den Forstbetrieb, dem eine sinnvolle Verwendung eines Teils seiner Rohstoffe wegbrechen.

Am Ziel- und Aussichtspunkt angekommen, sprach Staatssekretär Ulrich Menke vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) seine große Wertschätzung für die geleistete Arbeit aus und ermunterte die RAG Sachsen und die Waldbesitzer, im Sinne der PEFC-Zertifizierung weiterzuarbeiten. Der große Vorteil des PEFC-Systems sei, aus der Praxis und von Verantwortung tragenden Eigentümern her zu kommen. Mit wissenschaftlich fundierten Ansätzen würden ökologische und soziale Aspekte umgesetzt und dabei der ökonomische Wert aus der nachhaltigen Bewirtschaftung nicht vernachlässigt. Menke äußert die Hoffnung, dass aus dem derzeitig zertifizierten Waldanteil von 67% in wenigen Jahren 75% würden.

Abteilungsleiter Thomas Rother vom Staatsbetrieb Sachsenforst schätzt die Arbeit der RAG Sachsen und der zertifizierten Waldbesitzer sehr. Die eigenen Regularien reichten häufig nicht für den Beleg der nachhaltigen Waldbewirtschaftung aus. Da käme das PEFC-System mit seiner Transparenz und Einbeziehung der Waldbesitzer gerade recht. Er weist aber auch darauf hin, dass die Zertifizierung der so wichtigen Waldbewirtschaftung nicht in einem Status quo verharren dürfe und ermuntert alle, sich engagiert in den laufenden Revisionsprozess einzubringen. Einen besonderen Dank sprach Rother den Forstunternehmern aus, die letztlich all die PEFC-Standards auf der Fläche umsetzen.
Andreas Petzel, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), hob in seinem Grußwort auf die Besonderheiten der Waldwirtschaft auf militärischen Liegenschaften ab. Schießbetrieb, Kampfmittel, Brände, Sperrzeiten und -gebiete beschränken eine reguläre Forstwirtschaft. Gleichzeitig werden auch wichtige ökologische Aspekte berücksichtigt. Eine PEFC-Nachhaltigkeits-Zertifizierung unter besonderen Bedingungen.
Dass die Verbraucher Wert auf gesichert nachhaltig erzeugte Produkte legen, demonstrierte Georg Linder, Vorsitzender des Sächsischen Waldbesitzerverbands anhand eines Papiertaschentuches mit PEFC-Logo auf der Verpackung. Dass die Produktzertifizierung aber ohne eine nachhaltige Forstwirtschaft gar nicht denkbar ist, sei vielen Menschen nicht bewusst. Damit seien wir alle aufgerufen, uns noch aktiver für eine Bewerbung von PEFC einzubringen.
Zur folgenden Übergabe des neuen Zertifikates an den Vorsitzenden der RAG Sachsen dankte Auditor Lutz Lehmann der unabhängigen Zertifizierungsstelle DIN CERTCO für die lange und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Er sieht in der Auditierung wichtige Bausteine für das Funktionieren, Anerkennung und die Verlässlichkeit des Systems. Das neue Zertifikat bestätigt die Einhaltung der Standards und erinnert gleichsam daran, in den Bemühungen um eine ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit nicht nachzulassen. Die Verlässlichkeit und Glaubhaftigkeit des Zertifikats werden auch weiterhin durch unabhängige Kontrollen gesichert.
Abschließend stellte Claudia Wünsch als freie Forstdienstleisterin den neuen Waldbericht für die PEFC-Region Sachsen vor, den sie in akribischer Arbeit zusammengestellt hat. Hierfür konnte sie im Wesentlichen auf Daten von Sachsenforst, aber auch der BWI-Auswertung und der RAG zurückgreifen. Für den Berichtszeitraum werden als Folge einer nachhaltigen Waldwirtschaft Fortschritte in vielen Bereichen – wie bspw. den Ausbildungszahlen – deutlich. Andere Themen wie z. B. Waldschutz sind in Zukunft verstärkt anzugehen. Ein Studium des Waldberichtes lohnt in jedem Fall.
Zum Abschluss einer sehr eindrucksvollen Waldexkursion und feierlichen Zertifikatsübergabe konnten noch die neuen Teilnahmeurkunden stellvertretend für alle sächsischen Waldbesitzer an die Forstbetriebe der ev. Brüderunität Herrnhut, Staatsbetrieb Sachsenforst und BimA ausgehändigt werden.
Mit großer Zufriedenheit nahmen die Betriebe ihre Teilnahmeurkunden entgegen und machten deutlich, dies weiterhin als Ansporn für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung zu verstehen.
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Dieser Beitrag stammt aus der Rubrik "Neuigkeiten aus den PEFC-Regionen". Hier finden Sie weiterführende Informationen:


