PEFC Rheinland-Pfalz auf der Mitgliederversammlung des Waldbesitzerverbandes
Wie wird der Wald zukunftsfest? 150 Waldbesitzende diskutieren auf der Mitgliederversammlung des rheinland-pfälzischen Waldbesitzerverbandes über aktuelle Gesetzesvorlagen, Fördermöglichkeiten und waldbauliche Herausforderungen
Regionalmanager German Bell informierte die interessierten Besucher im Foyer der Stadthalle von Boppard über den Ablauf eines PEFC-Audits, die Möglichkeiten zur Verjüngung von Waldbeständen oder die Ausweisung von Habitatbäumen. Foto: © Dennis Vogel.
Boppard, 28.09.2026. Ministerin, PriWalDi und Vorstandswahlen: Mit diesen drei thematischen Schwergewichten zog der Waldbesitzerverband Rheinland-Pfalz in die alljährliche Mitgliederversammlung in Boppard. Gleich zu Beginn äußerte der Vorsitzende Christian Keimer Kritik an der laufenden EU-Gesetzgebung: Die EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) und die Wiederherstellungsverordnung seien aus Sicht des Waldbesitzerverbandes praxisfern und führten zu weniger Klimaschutz statt mehr. „Die Waldbauern werden als Leistungsträger herausgenommen. Dabei kann die Regulierungsflut für den Einzelnen zum Kampf ums Überleben führen“, so Keimer.

Moderatere Töne schlug auf der Mitgliederversammlung die neue Umweltministerin Christine Schneider an, die auf ihrem neuen Posten nun Gesetze umsetzen muss, die sie als CDU-Europaabgeordnete zuvor bekämpft hat. So halte sie die Zielsetzung des „Nature Restauration Law“ zwar für richtig, die geplanten Maßnahmen stellten jedoch den Forstbereich vor extreme Herausforderungen und seien in der Praxis kaum umsetzbar. Auch sei nicht abschließend geklärt, wer die Kosten tragen solle. Zu der von Schneider auf EU-Ebene mitgestalteten und inzwischen „entschärften“ Entwaldungsverordnung, die ab Dezember 2026 auch in Rheinland-Pfalz zur Anwendung kommen soll, kommentierte die Ministerin: „Wir haben in Europa kein Problem mit illegaler Entwaldung. Vielmehr ist eine praxisnahe Umsetzung nötig. Wir sollten nicht Dinge in ein Gesetz hineinlesen, die gar nicht drinstehen.“ Bezüglich des neuen Landesjagdgesetzes, das zum ersten April 2027 in Kraft treten soll, antwortete Schneider auf kritische Rückfragen aus dem Plenum, dass für ein effektives Wildmanagement das kooperative Miteinander notwendig sei: „Wir brauchen unsere Forstverwaltung und unsere Jäger“, resümierte die Ministerin.

Einen Einblick in das Digitalisierungsprojekt „PriWalDi“ des Waldbesitzerverbandes, dessen Pilotphase mit Mitteln von PEFC Rheinland-Pfalz finanziert wird, gab Geschäftsführer Dirk Fernholz. Das Projekt solle u.a. die Mitgliederverwaltung der Waldbauvereine, das Management von Kleinprivatwaldflächen und die Herstellung der Konformität mit den Vorgaben der EUDR erleichtern. „Die Herrschaft über die Daten“ am eigenen Wald, versicherte Fernholz, solle dabei beim Waldbesitzer verbleiben.
Im Foyer der Stadthalle konnten sich die geladenen Waldbesitzenden nicht nur über Dienstleistungen zur Digitalisierung und Bewirtschaftung von Wäldern sowie die Vermarktungsmöglichkeiten von Holz informieren. Auch PEFC Rheinland-Pfalz war wieder mit einem eigenen Stand dabei. Regionalmanager German Bell informierte die interessierten Besucher über den Ablauf eines PEFC-Audits, die Möglichkeiten zur Verjüngung von Waldbeständen oder die Ausweisung von Habitatbäumen. So war für jeden Besucher etwas dabei, auch diejenigen, die keine der heißbegehrten hölzernen „Himmelsscheiben der Waldleistungen“ ergattern konnten.
German Bell
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