Zu Gast bei Bäumen – Regionale PEFC-Arbeitsgruppen besuchen Exotenwald in Weinheim
Mitglieder diskutieren die waldbauliche Eignung nichteinheimischer Nadelholzbaumbarten vor dem Hintergrund des Klimawandels
Gruppenfoto der Teilnehmer der PEFC-Exkursion vor dem Hintergrund der kalifornischen Flusszedern im Exotenwald in Weinheim. Foto: © ForstBW.
Weinheim, 12.06.26. In diesem Jahr führte die gemeinsame Exkursion der Regionalen PEFC-Arbeitsgruppen Rheinland-Pfalz und Saarland die Mitglieder in den Exotenwald von Weinheim. Gemeinsam mit Gästen aus Baden-Württemberg und Hessen diskutierten Vereinsmitglieder die Chancen und Risiken, welche zertifizierten Forstbetrieben durch den Anbau von nichteinheimischen Nadelholzbaumarten entstehen können.
„Das Besondere am Exotenwald von Weinheim ist nicht nur seine Größe von 60 Hekar und seine Baumartenvielfalt von mehr als 140 Baum- und Straucharten, sondern auch, dass er wie ein Wirtschaftswald behandelt wird“, erläutert Dr. Matthias Steckel, Leiter des betreuenden Forstbezirkes Odenwald. Dabei helfe die PEFC-Zertifizierung unter anderem bei der Kommunikation von Holzernte- und Verkehrssicherungsmaßnahmen an die Bevölkerung.
Vor Ort zeigen viele der Nadelholzarten aus aller Welt durch Trockenheit, Pilzerkrankungen oder Schwächeparasiten hervorgerufene Schäden. „Hier stand bis vor 2 Jahren ein wunderschöner, über 100 Jahre alter Atlaszedernbestand, nach dessen flächigem Absterben die Fläche wieder aufgeforstet werden soll. Dabei ist die Jagd eine wichtige Stellschraube für die Etablierung von Verjüngung“, berichtet Revierleiter Thomas Falk. Ähnliche Ausfälle zeigen auch Bestände von Hemlock- und Küstentanne. Auch Riesenmammut- und Riesenlebensbaum haben unter der Trockenheit der vergangenen Jahre sichtlich zu kämpfen, zeigen aber immer noch beachtliche Zuwächse.

Regionalklimatisch liegt das beschauliche Weinheim an einem „Wärmehotspot“. Der Exotenwald erlaubt forstlichen Entscheidungsträgern schon jetzt einen Blick in die Glaskugel: Welche Baumarten können in einem künftigen Wald eine Rolle spielen und auf welche sollte man aus wirtschaftlichen und/oder ökologischen Gründen verzichten? Zur Beantwortung dieser Frage geben die forstlichen Versuchsanstalten eine Orientierung mit Ihren Empfehlungen zu Anbauwürdigkeit und Herkunft. Die PEFC-Zertifizierung folgt dabei dem Leitbild eines klimaresilienten, standortgerechten Mischwaldes, in dem auch nichteinheimische Baumarten eine Rolle spielen dürfen, solange diese andere Baumarten nicht verdrängen.
In einer Sache waren sich die Teilnehmer der Exkursion einig: Die Wahl von geeigneten Baumarten ist letztlich immer eine betriebliche Entscheidung und es gibt keine Baumart die man vor dem Hintergrund der Dynamik des Klimawandels uneingeschränkt empfehlen könnte. Die Stadt Weinheim mit ihrem Exotenwald ist ohne Zweifel eine Reise wert: So rundeten eine spannende Stadtführung durch die Altstadt über den Schlosspark einen für Vereinsmitglieder und Gäste erlebnisreichen Tag ab.
German Bell
